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Samstag, 30.11. 2013, 17.00 Uhr Zurück zur Übersicht
Dreifaltigkeitskirche Kaufbeuren

CD-Präsentation: Die neue Seifert-Orgel

"Zu Ehren Gottes und zulässiger Ergötzung des Gemüths"

Dreifaltigkeitskirche Kaufbeuren

Traugott Mayr - Orgel

CD-Rezension von Peter Donhauser:

Die neue Königin von Kaufbeuren

Am Anfang stand ein Live-Date: Bei einer Reise konnte der Autor die 2013 neu erbaute Orgel mit ihren 51 Registern ausgiebig spielen. Ein inspirierendes Instrument, das nicht nur in der Region Maßstäbe setzt! Die intensiven Vorüberlegungen zu Konzept, der Disposition, den Pfeifenmensuren, dem regionalen Bezug, zu historischen Traditionen Oberschwabens (Riepp, Gabler, Holzhay) haben sich wirklich ausgezahlt.
Eine Klasse für sich ist die hochdifferenzierte Intonation der Register, das letzte Werk der Intonateure Andreas Saage, Bernd Reinartz und Jacques Hanss, die nun bei der Firma Klais in Bonn arbeiten. Die Klangfarbenpalette, An- und Absprache der Pfeifen, ihre überragende Verschmelzungsfähigkeit lassen beim Spielen immer wieder erstaunen. Chapeau für die Herren!

Ein Glück, dass das Aufnahmeteam von Klaus Faika dies sorgsam für Organum Musikproduktion auf CD eingefangen hat. Sicher hat es die hervorragende Akustik der Kirche leichter gemacht: Der Raum ist dem legendären rechteckigen "Schuhkarton-Format" nahe, der Nachhall trägt, verschleiert aber nicht. Und so kommt im Plenum ein von voluminösen, knurrigen Bässen geführter gravitätischer Sound von der Empore, von dem die höher liegenden Register wie auf Händen getragen werden.

Bach und Johann Gottfried Walther haben Glanz und Klarheit bei polyphonen Passagen, da zeigen sich die Qualitäten der in den Mittellagen wunderbar cremig zeichnenden Principale. Die Galanteriestücke des Klassikers Franz Bühler werden zu einer berückend samtigen "Flötenstunde". Bei Karg-Elert kommen deutsch-romantische Farben der Grundstimmen zum Einsatz, aber auch die bezaubernde, mit Tremulant gespielte Voix humaine. Ja, und nicht zuletzt dank der schimmernden Zungen gelingt auch französische Literatur wie das Pièce heroique von Franck, die Méditation von Duruflé oder die Toccata von Joseph Jongen. Der abgrundtief schwarze 32'-Untersatz weckt den Subwoofer einer jeden Anlage aus dem Schlaf.

Der Organist der Dreifaltigkeitskirche, Traugott Mayr hat das Programm zur "Vorführung" der Orgel also prima zusammengestellt. Er spielt es auch akkurat, nicht draufgängerisch, aber mit Verve und großem Klangsinn. Hörenswert ist nicht zuletzt sein Barockspiel: Lebendig, artikuliert, rhetorisch angelegt, dennoch mit großem Überblick. Nie droht die Gefahr von motorischer Routine, nie klingt das Spiel nur nach virtuoser Show.

Eine dicke Empfehlung für diese Produktion!

Programm:

JOHANN SEBASTIAN BACH 1685 - 1750
Präludium und Fuge D-Dur BWV 532

JOHANN GOTTFRIED WALTHER 1684 - 1748
Partita "Jesu, meine Freude"

FRANZ BÜHLER 1760 - 1823
Galanteriestück Nr. 1 C-Dur
Galanteriestück Nr. 3 G-Dur
Galanteriestück Nr. 9 E-Dur
Galanteriestück Nr. 10 cis-Moll

JOHANN SEBASTIAN BACH
Concerto a-Moll BWV 593

SIGFRID KARG-ELERT 1877 - 1933
Lobe den Herren, den mächtigen König op. 65 Nr. 58

PIERRE CHOLLEY *1962
Tango sur DSCH
Paso-Doble sur DSCH

DESZÖ ANTALFFY-ZSIROSS 1885 - 1945
Madonna (Ein Glasgemälde)

CÉSAR FRANCK 1822 - 1890
Pièce heroique

MAURICE DURUFLÉ 1902 - 1886
Méditation pour orgue

JOSEPH JONGEN 1873 - 1953
Toccata pour Grand Orgue op. 104